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Azadeh Razaghdoost - Die Ausdruckskraft der Farbe Rot hat mich schon immer fasziniert. Blut, Liebe und Leidenschaft – sie alle vermitteln meine emotionalen Reaktionen während des Arbeitens und in dem Augenblick, an dem ich dem vollendeten Werk gegenüberstehe. Meine Hände sind Werkzeuge, die gezielt gesteuerten Waffen mit denen ich geschickt den fleischigen Hintergrund meiner Leinwände verwunde und blutfarben mache, mit einer Trauerrose, mit pochendem Herzen oder einer Gebärmutterform.
Alles begann mit meiner ersten Serie – sezierte Torsi in schwarzer Tinte über medizinischen Instrumenten auf Seiten aus medizinischen Magazinen. Vielleicht war das die Umkehrung meines Verlangens, Medizin zu studieren; ich weiß es nicht. Diese Körper auf den Magazinseiten wurden durch abgeschnittene Fischköpfe ersetzt, Überreste einer einfachen menschlichen Reaktion auf Hunger, deren Zeuge ich auf Reisen an die kaspische Küste wurde. Sie bildeten später „Das verborgene Figurative“, mein letztes Projekt.
Ihre wahllose Verteilung auf der Leinwand bedurfte einer Anordnung, die ich in meiner nächsten Serie durch ein Gitternetz hineinbrachte. Das einzig konstante Element war die Farbe Rot mit all ihrer Erotik, Liebe und dem Nachsinnen. Rot zog mich unweigerlich zur Rose und zum Herzen hin; und zu einer Serie, die ich nach dem Gedichtband von Charles Baudelaire „Les Fleurs du Mal“ (Die Blumen des Bösen) benannte. Nicht, weil irgendwelche Vorstellungen, Kontroversen zu erzeugen in mir schlummerten, sondern weil diese Serie den Betrachtern die Schönheit im Augenblick ihres Todes und ihres Verfalls zeigte. Die Fläche der Leinwand wurde zu einer Szenerie, die voll von Zufällen, Impulsen und körperlichen Reaktionen war und mehr als nur ein Ergebnis hervorbrachten; nicht erkennbare Gewalt oder ansprechende Ornamentierung, letzte Testamente an das Leiden der Liebe und des Lebens und an das unvermeidliche Ende. Mit diesen Gedanken zog ich meine Leinwände weiter auf und ritzte William Blakes Worte in sie, „Oh Rose, thou art sick!“.
Azadeh Razaghdoost wurde 1979 in Tehran, Iran geboren. Sie hat einen BA von der University of Art, Tehran und war in den letzten Jahren in zahlreichen Ausstellungen in Iran, Frankreich, Schweiz, London, Vereinigte Arabische Emirate und Kuwait vertreten.