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E/D
 
 
Ernst HESSE, untitled (seed), 2011, steel & led

Werke von Ernst Hesse

Ernst Hesses sulpturales Arbeiten ist ein Kommunikationsprozeß, der unter Zuhilfenahme von Skulptur stattfindet. Das scheint widersprüchlich, ist aber eigentlich eher die Beschreibung eines Arbeitsprozesses, bei dem der Mensch als Bildhauer, aber auch als Betrachter und Fotograf, als Raumgestalter und denkender Mensch vorhanden ist.


Ernst Hesse untersucht die Wirklichkeit auf widersprüchliche Aspekte;
er lauscht der Wirklichkeit Dinge ab die in ihr vorkommen und verwahrt die der Wirklichkeit abgefundenen Kunstwerke in seinen Regalen, um sie jederzeit wieder zu Verfügung zu haben. Da stapeln sich Trichter, Schalen, Globen, Scheiben, Bögen, Segmente, Kugeln und Kuben.
“Vitrinen mit leerem Inhalt“ stehen dem Betrachter wie eine andere Variante von Präsentation gegenüber. Hesse organisiert diese Dialoge, wie er auch den Anblick von Wirklichkeit, der sich in seinen Fotoarbeiten spiegelt, uns zum Dialog gegenüber stellt.


Alles, was er im Ansehen an Form organisiert, ist dialogisches Material. Die Skulpturen wie die Leere sind Dinge zum Ansehen. Die Virtrine mit leerem Inhalt ist eine, die viele Körper zeigt, leicht und fragil, leer, aber umschlossen von ihrer äußeren Form. Die Spiele mit der Form ergänzen sich zu einem System von Aussagen, dem gelegentlich Hinweise auf Emotionen hinzu gegeben werden. Furcht ist ein solcher Begriff, oder in ausführlicher Formulierung ein Begriff für die Skulptur der frühen 90er Jahre „Furcht, Hoffnung und Verantwortung.“


Das sind Begriffe, mit denen der Zeitgenosse, gebildet in der Philosophie, etwas anzufangen weiß: Hans Jonas und sein Buch „Das Prinzip Verantwortung“, 1979 erschienen, und Ernst Bloch dessen „Prinzip Hoffnung“ die utopischen Ansichten einer viel früheren Generation beschreibt.


In dieser Spanne stehen alle Äußerungen von Ernst Hesse: Dialog zwischen unterschiedlichen Positionen in der Philosophie, zwischen der Hoffnung auf Utopie und der Furcht vor ihrer Verweigerung, zwischen der Erkennbarkeit der Welt und dem Unvermögen, der Wirklichkeit mehr abzunehmen als reduzierte Formen, die sich nur selber referieren.


In dieser Dialektik von Machen und Verweigern, von Reden und Schweigen steckt die Arbeit von Ernst Hesse; sie setzt aber einen entwickelten und klugen Betrachter voraus, einen Menschen, der denkt und sieht, der Begriffe aus dem Sehen formuliert und deduziert. Das ist der fordernde Ansatz der Kunst von Ernst Hesse.


Ulrich Krempel, Kunst aus NRW, Text für Kodama Gallery, Osaka 1995


Ernst HESSE, untitled (dialogue seralves), 2010, steel & led
Ernst HESSE, untitled (turn), 2011, steel & led
Ernst HESSE, untitled (seed), 2011, steel & led
Ernst HESSE, untitled (two 4 one),  2010, steel & led
Ernst HESSE
Ernst HESSE
Ernst HESSE
Ernst HESSE
Ernst HESSE
Ernst HESSE
Ernst HESSE
Ernst HESSE
Ernst HESSE
Ernst HESSE
Ernst HESSE
Ernst HESSE
Ernst HESSE