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Hakim Ghazali

Hakim Ghazali

Curriculum

James Parry, Dubai - Als Sohn sehr konservativer Eltern durfte Hakim Ghazali, anders als viele Gleichaltrige, nicht den ganzen Tag auf der Straße spielen, sondern musste die meiste Zeit im Haus verbringen. Im Alter von drei wurde Ghazali zur Koranschule geschickt. Dort entdeckte er zwei Dinge, die seine Zukunft verändern sollten: Erstens, eine große Liebe fürs Zeichnen, die zutage trat, als ihm die Eleganz und die Disziplin der klassischen Koran-Kalligraphie gelehrt wurde; und zweitens, seine große Begabung, Formen und Farben zu verstehen. Sein erstes „Werk“ schuf er im Alter von sechs Jahren, als er einen kleinen Absatz des Korans auf ein Stück Holz malte. Sein Lehrer, Al Haj Ahmed, fügte danach künstlerische Verschönerungen in Form von Randverzierungen hinzu. Das Ergebnis, das noch heute in Ghazalis Pariser Wohnung im Wohnzimmer hängt, ist ein schlichtes aber aussagekräftiges Zeugnis über die Anfänge des Künstlers. Seine Stärke wird noch durch ein kleines Porträt Al Haj Ahmeds hervorgehoben, das Ghazali später malte. Es ist die einzig existierende visuelle Darstellung seines Lehrers und Meisters, der starb, ohne je fotografiert worden zu sein.

Al Haj Ahmed erkannte früh das Potential seines Schülers. Er riet Ghazalis Eltern, den Jungen gut zu beobachten, weil er echtes Talent besitzt. Es gab aber in der Familie keine Tradition künstlerischer Arbeit, so musste Ghazali heimlich zeichnen und malen. Um mehr darüber zu erfahren, was in der Kunst vor sich ging, sowohl in Marokko als auch im Ausland, fuhr er ins Zentrum von Casablanca, um kiloweise alte Magazine zu kaufen. Zuhause blätterte er sie heimlich durch und verschlang die Informationen und Bilder, die er vor sich sah.

Ghazali hatte beschlossen, zu versuchen Künstler, zu werden, aber ihm war bewusst, dass er seine Fähigkeiten weiterentwickeln musste und eine formale Ausbildung im Bereich der Kunst brauchen würde. So studierte er drei Jahre lang bildende Künste in seiner Heimatstadt und hatte mit nur 19 seine erste Ausstellung, eine Solo-Ausstellung noch dazu. Unter den Besuchern in der Galerie befand sich der marokkanische Kulturminister, der von dem, was er sah, so beeindruckt war, dass er Ghazali sofort ein Stipendium für ein weiteres Studium in Frankreich gewährte. Zu dieser Zeit konzentrierte sich Ghazali nur auf Kalligraphie. Aber seine Arbeit in diese Richtung war vom traditionellen Stil weit entfernt. Er entwickelte eine Faszination für die Morphologie von Buchstaben und konzentrierte sich auf deren Zusammenstellung und Linie. Und auf dem Weg der Entwicklung zu anderen Formen behalten sie dennoch einen Sinn. Diese Liebe zur Sprache und ihrer Eigenart, sich ständig zu ändern, inspiriert ihn auch heute noch.

Es folgten Studien in Frankreich – in Amiens und Paris – mit Unterricht in Grafik und Druck - Disziplinen, die Ghazali aufsaugte und zur Anwendung in seinem künstlerischem Werk adaptierte. Viele seiner heutigen Gemälde zeigen Komponenten, die Aspekte dieser Ausbildung widerspiegeln; zum Beispiel fügt er gerne, anscheinend wahllos, Absätze von Schriftsätzen, Texten und Fragmenten alter Zeitungen in seine Arbeiten ein und übermalt sie oft, um sie so in den Hintergrund mit einzuarbeiten und den strukturierten Effekt aufzubauen, den er perfektioniert hat. Er dreht Texte gerne um, sodass Sie in Spiegelschrift dastehen, mit der Begründung, dass „weniger gut Lesbares faszinierender und aufregender“ wird. Ghazalis derzeitige Vorliebe gilt der Mischung von Medien; seine Ansicht darüber, was das bewirkt ist aber unprätentiös: „Ich arbeite mit dem, was ich gerade so vorfinde – wo immer ich auch bin“. Diese Flexibilität geht so weit, dass selbst Recycling-Metall in Skulpturen verwendet wird.

Ghazali teilt seine Zeit heute zwischen Sharjah, Paris und Marokko auf. Und trotzdem: während sein Horizont sich seit seinen frühen Tagen in Casablanca enorm erweitert hat, bleibt er ein auffallend unkomplizierter Mensch, der sich stets seiner Wurzeln bewusst ist. Die Nahrung, die seine Herkunft bietet, ist konstant, aber auch zyklisch und fließt direkt in seine Kunst. „Malerei ist nie etwas Endgültiges“, sagt er. „Kunst ist Wiedergeburt. Jedes Mal wieder entsteht neues Leben.“