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E/D
 
 
Halim Al Karim, Untitled I, from WITNESS PORTRAIT series (Triptych), 2004, Photograph lambda print, 153 x 315 cm, Edition of 3

Werke von Halim Al Karim

Der irakische Künstler Halim Al-Karim durchlebte im ersten Golfkrieg Schlimmes. Als Gegner von Saddams Regime und des verpflichtenden Militärdienstes, versteckte er sich in der Wüste und lebte beinahe drei Jahre in einem Loch im Boden, das von einem Steinhaufen zugedeckt war. Er überlebte nur durch die Hilfe einer Beduinen-Frau, die ihn mit Nahrung und Wasser versorgte und ihm die Bräuche und Mystik der Zigeuner näherbrachte. Al-Karim wanderte danach in die Vereinigten Staaten aus. Dieses Erlebnis hatte jedoch tief greifende Auswirkungen auf sein Leben und bildet nun die Grundlage für seine Kunst.

In der Werkreihe „Hidden Prisoner“ (1993) wird Fotografie für nicht-physische Beschaffenheiten verwendet: ein Medium, das im eigentlichen Sinn des Wortes ein Bild aus Licht erzeugt und die Vergänglichkeit und Verwobenheit von Zeit und Erinnerung einfängt. Die sumerischen Artefakte, die Teil von Al-Karims Hidden Prisoner (Versteckter Gefangener) und Hidden Goddess (Versteckte Göttin) sind, wurden im Louvre und im British Museum fotografiert; Al-Karim erklärt, sie hinter Glas eingeschlossen zu sehen, weit weg von zuhause, ist eine schmerzhafte Erinnerung daran, wie es war, Freunde und Familienmitglieder zu besuchen, die in Abu Ghraib politische Gefangene des Regimes unter Saddam waren.

Al-Karims Ansatz Bilder zu erzeugen ist die Projektion seines inneren Bewusstseins nach außen und die Manifestation des geistigen Erwachens und der Abgeklärtheit. Seine ausweichenden, traumähnlichen Bilder der Serie „Prisoner Goddess“ (1993) rufen verschiedenste instinktiv-emotionale Reaktionen hervor – die Fähigkeit zu tatsächlicher Wahrnehmung, die als übernatürliche Kraft in uns allen wohnt und durch das Streben nach metaphysischer Aufklärung verstanden und genutzt werden kann.

Al-Karims Hidden-Werkreihe „Hidden Theme“ (1995) ist eine Reaktion auf die eigenen unvorstellbaren Erlebnisse des Künstlers und auf seine ständige Beobachtung der Turbulenzen in seinem Heimatland. Durch Werke mit dem Titel Hidden War (Versteckter Krieg), Hidden Victims (Versteckte Opfer), Hidden Witnesses (Versteckte Zeugen) schafft Al-Karim ein Bewusstsein für die verheerenden Auswirkungen von Gewalt sowie für deren vielfältige Erscheinungsformen – physisch wie psychisch –politisch, wirtschaftlich oder innerhalb der Familie. Seine Arbeiten verzerren die Maßstäbe und bewegen sich konzeptionell zwischen Makro und Mikro, dem Gesellschaftlichen und Individuellen, dem Physischen und Emotionalen. Sie bieten so eine ruhige, meditative Pause und schaffen einen Raum für Besinnung und Läuterung.

Versöhnung ist ein zentrales Thema in Al-Karims Arbeiten, sowohl emotional als auch im Bezug auf die Sufi-Tradition, wo der Glaube aufs Innere konzentriert ist und nach Einigkeit zwischen dem Bewusstsein und Gott strebt. Widersprüche und Nebeneinanderstellungen kommen in seinen Fotografien vor. Aber anstatt Anspannung zu erzeugen, haben diese eine harmonische Wirkung. An die Front reihen sich: schön und geschmacklos, ungeheuerlich und unschuldig, verschrumpelt und kindlich. Es sind einzelne konglomerierte Portraits, wobei jedes Segment das nächste ergänzt und so zum Verstehen des Ganzen beiträgt. In Hidden War 2 (Versteckter Krieg 2) aus dem Jahre 2003 bedeckte Al-Karim seine Bilder mit einer durchsichtigen Lage Stoff, die den Betrachter dazu zwingt, sich über den Hintergedanken der legitimierenden Rhetorik der Kriegsunterstützer nachzudenken.

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Hidden Goddess #2, 2009, Lambda print covered with black silk, 148 x 106 cm
Halim Al Karim - Hidden Prisoner, 1993, Photograph lambda print, 158 x 369 cm, Edition of 3 + 2AP
Halim Al Karim, Schizophrenia 3, 1987, Photograph lambda print, 180 x 130 cm, Edition of 3 + 2AP
Halim Al Karim, Seclusion in Pigalle 2, 2011, Photograph lambda print, 185 x 125 cm, Edition of 3 + 2AP
Halim Al Karim, Untitled 05, 2002, Photograph lambda print, 75 x 55 cm, Edition of 3