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„Ich hoffe, dass das Eigenleben meiner Kunst den Schritt dazu schafft, im Bewusstsein anderer etwas zu bewirken.“
Samira Hodaei ( 1981* Teheran, Iran) war viele Jahre als Assistentin für den international anerkannten Künstler Reza Derakshani tätig und studierte an der Al Zhara University in Tehran. Auf eine sehr subtile, zurückhaltende Art behandeln die hier entstandenen Bilder traditionelle wie auch zeitgenössische Themen des Iran sowie den kulturellen Hintergrund der Künstlerin.
Stones and Mute Birds
Während eines Artist-in-Residence Aufenthalts in der Schweiz begann die Künstlerin ihre Serie „Stones and Mute Bird“, an der sie permanent weiter arbeitet.
Die kleinen Punkte aus Glasfarbe in Samira Hodaeis Bildern sind berührbar, haptisch erfassbar. Sie sind Erinnerungen an Steine, die auf wehrlose Körper gerichtet wurden, als Strafe für die Liebe oder sogar unfreiwillige Nähe. Und obwohl die Steinchen von Ungerechtigkeit und Verurteilung, von Schmerz und Leid erzählen, sind sie zart und filigran – Samira Hodaeis Werke sprechen in poetischer Manier.
Die symbolischen Elemente, die sich in den Werken Samiras wiederfinden, wurzeln in der iranischen Kultur und insbesondere in der Dichtung. Sowie alle grossen iranischen Poeten ihre Worte mit Symbolismen umschreiben schafft sie sich eine eigene Sprache, die kompliziert, aber doch verständlich ist.
Auch die geometrischen Elemente bei Samira Hodaei sind traditionellen Zeichen entnommen und beziehen sich auf die kufische Kalligraphie, die sich zu Beginn des Aufkommens des Islam als Schrift für die ersten Versionen des Koran etablierte. Die strenge Geometrie in Hodaeis Bildern kommt aus der Verwendung dieser Kalligraphien in Keramikelementen in Moscheen und verstrickt sich zusammen mit den Punkten aus Glasfarbe zu einer Reminiszenz an das Kunsthandwerk früherer Zeiten.
Dancing the Sharp Edge
Mit ihren neuesten Bildern “Dancing the Sharp Edge” knüpft Samira Hodaei an ihre erste eindrucksvolle Serie “Stones and Mute Birds” an.
“Dancing the Sharp Edge” zeigt weibliche Gestalten mit Messern bestückt, die in verrenkten Posen Tanzbewegungen ausführen. Die Tänzerinnen tauchen manchmal als Paar auf, zu zweit vereinen sie sich in einem imaginären gleichen Körper und verrenken ihre Glieder zu eben jenem ungleichmäßigen Ganzen.
Inspiriert wurde Samira Hodaei durch Malereien der Qajar Dynastie, eines persischen Königsgeschlechts, das zwischen 1785 und 1925 regierte. So findet sich in ihren Bildern die charakteristische Farbgebung aus vielen dunklen und schweren Tönen dieser Malerei, die eine starke Textur auf der Leinwand erzeugt. Ebenso nimmt sie die Ornamentik der Qajar Bilder auf und überträgt die feinen Punkte in die eigens von ihr entwickelte Maltechnik mit Glasfarbe. Doch whärend die Qajar Dynastie meist Mitglieder der royalen Familie oder entfernte Prinzen in idealisierter Form mit Insignien und Kampfwerkzeug darstellen liess, sind bei Hodaei in der Tradition selten vorkommend, weibliche Figuren zusehen zudem mit den Waffen der Männer.
Die Poetik der Symbolsprache Hodeis findet sich hier in der Tänzerin, die für die Frau steht und das Messer, das die Gefahr versinnbildlicht. Wie der Titel der Werkreihe schon andeutet, tanzen die Frauengestallten wortwörtlich auf der Messerspitze, auf der scharfen Kante und setzen sich hiermit der ständigen Gefahr aus daneben zu greifen. Dennoch manifestiert sich der Versuch, die Messerspitze abzuwehren in einem wunderschönen Tanz der Hoffnung.
Es ist essentiell, sich an solch empfindliche Themen künstlerisch anzunähern, wobei die Diskrepanz zwischen schwergewichtigem Inhalt und dem Schaffen eines guten Kunstwerks kein Leichtes ist. Samira Hodaei hat die Herausforderung angenommen und erfolgreich umgesetzt. Es ist ein grosser Gewinn, dass sie sich entschlossen hat, ihr künstlerisches Talent und ihre Freiheit, allen Frauen zu widmen, die eben über diese Freiheit nicht verfügen.