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Bild XX

Shahriar Ahmadi (Iran)

Der Augenblick der Malerei

Shahriar Ahmadi, Juni 2008 - Aus einer Künstlerfamilie stammend, begann ich meine Reise in die Welt der Kunst damit, Portraits aus Wörtern herzustellen. Dann wurde mir bewusst, dass die Malerei etwas in mir bewirkt, was kein anderes künstlerisches Medium zustande bringt; sie hält die Zeit an. Jedes meiner Gemälde stellt ein Stück meiner Phantasie in einem einzigen Augenblick dar und enthüllt alle meine Geheimnisse in diesem einen Augenblick. Alle diese Augenblicke zeigen das Leben und ich male, um sie aneinander zu reihen, um mich auf einen Dialog mit der Geschichte einzulassen und eine Art Dialektik zu präsentieren.

Ich male immer in Epochen und suche dabei in der alten Literatur, Religion und Geschichte des Iran nach Bedeutung und Inhalt. Mein erster Zyklus, mit 16, hieß „Bastarde“ und bezog sich auf die positive und liebenswerte Bedeutung des Wortes. Ich brachte freche kleine Wesen hervor, welche die Fläche der Leinwand in einer surrealen Atmosphäre eroberten. Ich begann Rumi zu lesen, mein liebster Dichter, was zu meinen Serien "Sama" und danach "Der Papagei und der Kaufmann“ führte. Auch die Religion war für mich immer eine reiche Quelle der Inspiration. Unterbewusst fühlte ich mich von "Der Löwe und Meister Ali“ und den „Zehn Geboten“ angezogen. Wegen der visuellen Ähnlichkeit zwischen der Kuppel und der Art von Dialektik, die er mit der Schlange hatte, entwickelte es sich zu einem paradoxen Titel. Das führte zur Serie "Was ist Maaddeh?". Es handelt sich um ein Wortspiel, da maddeh sowohl "weiblich" als auch "wesentlich" bedeutet. Die Kuppel und die Schlange waren beide in dieser Serie vorhanden, als Anspielung auf die Vertreibung Adam und Evas aus dem Paradies. In meiner gegenwärtigen Arbeit, „Rumi in meinem Becher“ bin ich wieder zu Rumi zurückgekehrt. 


Ich beginne jede Arbeit völlig angstfrei und mit völliger Hingabe zur Kunst. Ich benutze meine Hände, um Farbe auf die Leinwand aufzutragen. Sie sind mein liebstes Arbeitswerkzeug, da so beim Übertragen meiner Phantasie auf die Leinwand ein Zwischenstück wegfällt. Beim Arbeiten und Überarbeiten mit Farbe arbeite ich schnell und finde daher Acryl ein geeignetes Medium. Meine Palette, obwohl sehr geordnet, ist ein Zusammenspiel von Farbe und Konsistenz; ich lasse die Farben frei interagieren, aber innerhalb einer kontrollierten Technik. Ockergelb taucht in verschiedenen Schattierungen und Nuancen auf, obwohl durchgängig vorhanden. Ich habe keine Lieblingsfarbe, sondern bevorzuge Farbkombinationen. Burning silver ist ein Wort, dass mir dazu einfällt. Kalligraphie in der Form unzusammenhängenden Gekritzels wird bis an die äußersten Grenzen getrieben - und noch weiter. Dann, wenn nichts mehr hinzugefügt oder weggelassen werden muss, ist das Werk schließlich vollendet.


Meine Gemälde sind voller Rätsel und Geheimnisse. Sie reißen mich aus meinem Körper heraus und tragen mich in ein weit entferntes Land in einer weit entfernten Zeit, wo niemand je zuvor gewesen ist und das die Menschen nur aus Sagen und Legenden kennen. Sie sind voller Geschichten und Berichte, für die wir Tage bräuchten, stünden sie in einem Buch. Aber auf meiner Leinwand teilen sie den Betrachtern gleich ihr Geheimnis mit. Wenn die Betrachter die Formen lesen und verstehen können, wenn sie der Geschichte folgen und die Wahrheit, die meine Arbeit enthüllt, erkennen und wenn sie das wie ein Schlag trifft, dann hat mein Werk erfolgreich seine Wirkung getan und ich fühle wie mich wie ein Sultan.


Shahriar Ahmadi wurde 1979 in Kamiaran / Iran geboren. Er hat einen BA und MFA in Malerei von der University of Art, Tehran und hat an zahlreichen Ausstellungen in Tehran, dem Nahen Osten, Europa, China und den USA teilgenommen.

 

Artist in Residence

Artist in Residence - Shahriar AHMADI