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Sieben Künstler der privaten Stiftung THE FLYING HOUSE von Dubai stellen erstmals einen Querschnitt der zeitgenössischen Kunst aus dem Emirat Dubai in Europa aus. Das Kuratorenteam Mohammed Kazem und Cristiana de Marchi haben für diese Ausstellung über 50 Werke aus dem umfangreichen Schaffen der Künstler ausgewählt.
Die Künstler setzen sich auf unterschiedliche Art kritisch mit der Entwicklung der Moderne in den UAE, speziell in Dubai auseinander. Die ausgewählten Leinwandarbeiten, Fotografien und Installationen widerspiegeln zum Teil die Widersprüche im Leben, im heutigen Bewusstsein, in der Wahrnehmung – die Werke haben aber auch einen engen Bezug zu gesellschaftlichen und kulturellen Erlebnissen. „VIS ROBORIS“ zeigt wie einheimische Künstler diese Elemente in einem künstlerischen Kontext übersetzen.
Sprachen sind in der Regel eine Bastion der Rationalität, insbesondere tote oder “stumme” Sprachen. Vis ist ein interessantes lateinisches Wort: Da es nicht alle Formen der Deklination beherrscht, muss es notfalls auf die Synonyme Robur, roboris zurück greifen. Beide bedeuten “Stärke” in jeder möglichen Interpretation des Wortes (diese reicht von ethischer bis zur faktischen Akzeptanz, von positiver bis zur negativen Auslegung). Die Begriffe ergänzen einander und unterstützen sich gegenseitig, um das eigene Defizit an Ausdruckskraft zu kompensieren und somit authentisch sinnvoll zu klingen. Das Wort „Stärke“ kann eine Deklination von Kohärenz sein – oder auch umgekehrt. Das Verhältnis der beiden Begriffe zueinander ist relativ eng und veranschaulicht sowohl die Ähnlichkeiten als auch die Unterschiede, die zwischen ihnen bestehen.
Die aktuelle Ausstellung zeigt eine Auswahl von Werken zeitgenössischer Kunst, die eine Gruppe von Künstlern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten geschaffen haben. Ihre Erfahrungen sind eng miteinander verknüpft, sodass ihre Arbeiten – egal wie unterschiedlich sie formal sein dürften – auf den verschiedensten Ebenen dicht bei einander liegen.” (Vis Roboris, Ausstellungskatalog, 11).
Das Leitmotiv der aktuellen Ausstellung bezieht sich auf das Konzept der "Stärke" – wie der Titel bereits signalisiert. Und in den etymologischen Wurzeln des Titels birgt sich die Idee der Vielfältigkeit der Stärke. Die Botschaft heisst: Es besteht nicht nur die eine Möglichkeit, stark zu sein, sondern es gibt mehrere Erscheinungsformen. Beide Ideen – sowohl die der Stärke als auch die der Vielfältigkeit (manchmal auch Zweideutigkeit) - sind in den Werken dieser Ausstellung eindrucksvoll vertreten.
Layla Jumas Werk "Form & Raum" beruht auf dem Konzept der Gegensätzlichkeit. Hier rechtfertigen Elemente, die sich gegenüber stehen, ihre Existenz des Gebens und Nehmens. Darüber hinaus wirft das Werk Licht auf die poetischen Komponente von Laylas Arbeit und verdeutlicht, wie sie sich als Künstlerin positioniert.
Die Serie "Mann und Berg" ist eine Gruppe kritischer Gemälde, die aus der neuesten Produktion von Hassan Sharif stammen. Die sechs Bilder sind untrennbar miteinander verwandt und beleuchten, wie dieser international renommierte Künstler an seine Arbeit heran geht. Er bleibt stets seinem Grundkonzept treu, erforscht es weiter und entwickelt es bis zum Äussersten weiter. "Mann und Berg" hinterfragt die Dualität der Wirklichkeit, indem es das Verhältnis zwischen den beiden Elementen als magnetische Polen untersucht: es basiert auf einem Ausgleich der Kräfte, in der die Grenzen zwischen Konfrontation und Assimilation fein gezogen worden sind – eine Balance als Raum der Begegnung.
Darüber hinaus gilt dieses Werk als immanent mit Hussain Sharifs "Autos" verbunden. Hängen die beiden Werke zusammen - wie hier in dieser Ausstellung -, stellen sie exemplarisch ein weiteres Merkmal dar, das für die Kuratoren von wesentlicher Bedeutung ist: die vielschichtigen Aspekte der “wechselseitigen Abhängigkeit” der beiden Künstler, die die Bewegung der zeitgenössischen Kunst in den Arabischen Emiraten gegründet und somit die dortige Kunstszene massgeblich geprägt haben. Andere ausgewählte Werke, die in der Ausstellung zu sehen sind (von Abdul-Rahman Al Ma’aini, Moza Al Suwaidi, Mohammed Ahmed Ibrahim und Mohammed Kazem), zählen ebenfalls zum inneren Kreis der Bewegung. Und obwohl sie nicht unbedingt „in einem Rahmen” betrachtet werden können, widerspiegeln sie trotzdem eine bestimmte Art des künstlerischen Schaffens, die von erheblicher „Stärke“ aus geht.
Christiana de Marchi